Suche
  • hannibie

VOR-schriften

Ich habe eine Jahreskarte der Wiener Linien. Sohn hat ein Schüler-Semesterticket. Gut sowohl fürs Ökogewissen, als auch stressfreier bei Fahrscheinkontrollen.

Ich bin unlängst mit meinem Teenager öffentlich unterwegs und natürlich braucht er sofort was zu Essen, er ist also kurz vor einem schrecklichen Hungertod.

Ich kann ihn mit viel Motivationsarbeit überzeugen, dass er was kriegt, nachdem wir unsere Sachen erledigt haben.

Sohn entscheidet sich für eine Pizzaschnitte, schön im geschlossenen Karton. Wir haben die Wahl zwischen der U-bahn (schneller) oder der Straßenbahn und nehmen die Bim, weil man ja in der U-bahn nicht mehr essen darf.

Es warat wegen der Geruchsbelästigung, allerdings dürfte man die stinkenden Gabelbissen sehr wohl transportieren, sie röchen also vor sich hin und zwar permanent, weil sie ja nicht während der Fahrt weggegessen werden könnten.

So weit, so gut. Wir warten also mit Pizzaschnitte auf die Bim, die weit längere Intervalle hat, als die U-bahn. Macht nix, wir plaudern miteinander. Vielleicht hab auch nur ich geredet und mir eingebildet, dass Teenager interessiert zuhört, aber das sind nur Details am Rande.

Dafür ist nicht viel los im Wagon und wir setzen uns nebeneinander. Sohn öffnet die Schachtel und will seine Pizza essen.

Eine ältere Frau auf der gegenüberliegenden Wagonseite spricht uns sofort auf Englisch an, dass Essen hier verboten sei. Ich erkläre ihr ebenfalls auf Englisch, dass das nur für die U-bahn gilt, nicht für die Bim. Das glaubt die Lady aber nicht und nervt weiter, dass das verboten ist, weil es ja so stinkt.

Hier muss ich kurz abschweifen und erwähnen, dass es in den Wiener Öffis weit Geruchssinn-verstörendere Odeurs gibt als eine Pizzaschnitte. Schweiß, so manches Eau de Toilette oder auch armutsbedingte Duschabstinenz comes to mind.

Ich kann die Begründung des Essverbotes mit Geruch also eh nicht ganz nachvollziehen. Vom Essensgeruch krieg ich höchstens Appetit. Kann ich zwar auch nicht brauchen, weil ich soundso schon zu viel Gusto hab, aber ich verlange dafür keine gesetzliche Lösung.

Vielmehr haben schon Leute extrem nach Zwiebeln gerochen, ohne dass sie auch nur einen Bissen Essen bei sich hatten. Und die dürfen das auch weiterhin in der U-bahn.

Englische Madame hört hingegen nicht auf, uns auf das vermeintliche Verbot hinzuweisen, obwohl ich ihr schon explained hatte, dass ich keine Lust habe, weiter mit ihr zu talken.

Schließlich meint sie, ICH solle ihr erklären, wo denn die Logik wäre, nur in der U-bahn nicht essen zu dürfen.

Logik! Spätestens jetzt war klar, dass diese Dame keine gelernte Österreicherin sein konnte. Sie fragt nach Sinn und Logik bei einer Vurschrift! Ein viel gewichtigeres Indiz darauf, dass sie keine Wienerin war, als ihre Sprache.

Das konnte ich ihr auf Englisch jetzt aber wirklich nimmer erläutern und weil dem Teenager schon der Appetit vergangen war, sind wir einfach ausgestiegen und haben uns dem weiteren Verlauf der conversation auf diese Weise entzogen.

Allerdings nicht ohne eine herzhaftes FUCK YOU, denn „Geh scheiß’n“ hätt‘ sie ja wieder nicht verstanden.

0 Ansichten

©2020 hannibie. Erstellt mit Wix.com