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  • hannibie

Die Liebe, nein Linien in Zeiten der Cholera, nein Corona

Soll ich wirklich über dieses Corona-Virus schreiben? Geht das nicht wirklich jeder schon so auf die Nerven wie mir? Wahrscheinlich schon, aber da ich in der glücklichen Lage bin, einen Vollzeit Job zu haben und zu diesem jeden Tag mit den Öffis hingurke, kann ich durch das Maskentragen auch das CV nicht wirklich vergessen.


Ich leide nämlich. Unter der Maske. Denn da schwitz‘ ich immer so. Deswegen bin ich auch sehr empört über die zunehmende Menge an Leuten, die keine Maske in der U-Bahn tragen, die ihre Nase schön raushängen lassen oder -und das sind die Schlimmsten- diese Mini-Visier Träger. Google sagt, das heißt Kinn-Visier, dieses sinnlose Stück Plastik, wo oben, unten, links und rechts alles offen ist. Na hoffentlich weiß der Virus, dass er an dem Plastik nicht vorbei darf.


Eines frühen Abends fahre ich mit der Straßenbahn nach Hause. Nach nur einer Station blockiert eine Frau mit einem Hund am Arm die Türen, indem sie sich reinstellt und sehr laut verkündet: „Wir werden erst weiterfahren, wenn sie eine Maske aufsetzen!“ Sie sagte das zu einer Frau etwas hinter mir, die tatsächlich gar keine Maske aufhatte, also nicht einmal so ein unsägliches Kinnvisier.


Eine zweite Frau mischte sich ein, der Fahrer wurde geholt („Wir haben ein Maaaaskenprobleeeeem!!“) und kam etwas missmutig und ohne Maske nach hinten.

„Sie hom jetzt zwa Möglichkeiten: entweder Sie setzen a Mask‘n auf, oder Sie steig’n aus.“


Das war der Dame hinter mir aber eh schon längst klar, ihr ging es ums Prinzip. Sie hätte doch 2,60 Euro bezahlt und wolle nicht dauernd belästigt werden. Sie werde sich beschweren („Jo, mochen’s des!“) und stieg dann weiter keppelnd und ihre Maske in der Hand haltend (!) aus.


Der Vorfall wurde dann noch von den selbst ernannten Masken Sheriffs kurz und heftig besprochen und dann kehrte wieder Ruhe ein.


Ich musste sehr schmunzeln, denn mein Ärger (den ich zu Beginn erwähnt habe) wurde immer kleiner, je mehr sich die Damen in der Bim aufgepudelt haben. Vielleicht gibt es einen beschränkten Pool an öffentlicher Empörung und wenn wer anderer für mich das Aufregen übernimmt, muss ich dementsprechend weniger. Praktisch, eigentlich.


Am nächsten Morgen sitz‘ ich in der Straßenbahn Richtung Arbeit und da bin ich meist noch ganz schmähstad, vor allem, wenn sich zu Hause kein Kaffee mehr ausgegangen ist und ich daher erst im Büro so richtig munter bin.


Ein E-Roller-Fahrer hatte sich gefährlich nahe an die Gleise der Bim verirrt und wurde deshalb vom Bimfahrer lautstark und wienerisch durchs Kippfenster auf seinen Fehler und auch gleich dessen Ursache („Du bist ja wo ang’rennt!“) aufmerksam gemacht.


Dieser kleine Vorfall hat mich nicht nur aufgeweckt und amüsiert, sondern vor allem beruhigt, zeigt er doch, dass zumindest in Wien eine gewisse Normalität trotz Corona eingekehrt ist. Wir haben in Wien wieder Zeit zum ausgiebig granteln, das ist doch schon was!


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